„Die 4-Stunden-Woche“ – eine Illusion?

In seinem Buch „Die 4-Stunden-Woche“ erklärt Tim Ferris, wie ein überwiegend selbstbestimmtes Arbeitsleben geführt werden kann. Kurt Klöser hat dies für sich weitgehend umgesetzt. In diesem Gastartikel erklärt er die Voraussetzungen dafür und den Weg dorthin:

  • Den eigenen Mind-Set ändern
  • Ziele erreichen, statt Zeit managen
  • Ein neues Rollenverständnis entwickeln
  • Hochwertigen Mehrwert für die eigenen Kunden schaffen, statt Zeit gegen Geld zu tauschen
  • Am statt im eigenen Unternehmen arbeiten
  • Passives Einkommen erzielen

Herzlichen Dank für diesen Gastartikel!

Seit 10 Jahren begleite ich mittelständische Unternehmer, die oft 10 – 12 Stunden an 6 Tagen die Woche arbeiten. Sie sind im Urlaub ständig erreichbar, checken täglich ihre Mails. Und finden dies alles sogar normal.

Oft sind diese Unternehmer Ingenieure, die zuerst als Angestellte arbeiteten und dann als Freiberufler ihre Ideen umsetzten. Schließlich stellten sie Mitarbeiter ein, weil die Arbeit mehr wurde. Am Ende müssen sie dann ständig arbeiten, weil die Mitarbeiter und das Unternehmen am Laufen gehalten werden müssen. Es ist ja bekannt, dass „selbstständig sein heißt, selbst ständig arbeiten zu müssen“.

Ein verändertes Rollenverständnis als Unternehmer

Viele dieser Begleitungen beginnen erst dann erfolgreich zu werden, wenn sich das eigene Mind-Setting im Umgang mit der Zeit und der eigenen Rolle verändert. Es bildet sich innerlich ein neues und klares Rollenverständnis heraus. Das unterschiedliche Zeit-Verständnis für die Rollen Arbeiter – Angestellter – Selbstständiger – Spezialist – Unternehmer – Gesellschafter – Investor werden bewusst.  Dann entstehen Antworten auf einer anderen Ebene, denn schon Einstein sagte bekanntlich:

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Will ich „Zeit managen“ oder meine Ziel erreichen?

Man kann keine Zeit „managen“, sondern nur bessere Entscheidungen treffen, wie man die eigene Zeit einsetzt. Zeit ist das einzige Gut auf der Welt, welches gerecht verteilt ist: jeder hat 24 Std. Und damit grob 1.000 Minuten am Tag zur Verfügung.

Genau dies gilt es als Erstes zu akzeptieren. Dies klingt so leicht… Als Zweites kommen dann die Prioritäten, die ich mir setzen muss. Diese leiten sich von den eigenen Zielen ab. Hier gilt:

„Wenn ich keine eigene Ziele habe, dann darf ich mich nicht wundern, wenn ich für die Ziele von anderen arbeite.“

Angestellte arbeiten bekanntlich für den Unternehmer bzw. dessen Ziele. Und dies ist gut und passend für viele Menschen!

Wenn ich meine Ziele kenne, dann brauche ich als nächstes meinen Standort. Bezogen auf unser Thema „Zeit“ ist dies für mich die Quote von „selbstbestimmter Zeit zu fremdbestimmter Zeit“. Das Dilemma der Unternehmer ist oft, zu wenig selbstbestimmte Zeit zu haben, also vom eigenen Unternehmen getrieben zu werden.

Die 4-Stunden-Woche als höchste Stufe der Zeit-Selbstbestimmung

Die 4-Stunden-Woche im Sinne des Buches bedeutet nur 4 Stunden fremdbestimmt zu arbeiten. Die oberste Stufe der Fremdbestimmung erleben häufig Angestellte. Sie haben bei Vertragsunterzeichnung ihre Zeit-Selbstbestimmung gegen ein festes Gehalt verkauft. Meist bleiben damit pro Woche nur noch wenige Einheiten Zeit-Selbstbestimmung übrig. Dies nennt man dann FREI-zeit. Verändern lässt sich dies oft nur noch durch eine Kündigung.
(Etwas Persönliches: Auch ich habe 20 Jahre in diesem System gelernt und auch gut gelebt…)

Hier im Blog geht es um Selbstständige. Diese haben den ersten Schritt zu selbstbestimmter Zeit getan. Allerdings tappen viele Selbstständige unbewusst in die obige Falle oder bleiben im alten Mind-Set: Sie verkaufen immer noch Zeit gegen Geld, „1 Std-Arbeit = x €“. Möchte ich mehr Geld haben, so muss ich mehr „selbstbestimmte Zeit“ abgegeben. Und hier gibt es dann wieder das Maximum von 14 Stunden an 7 Tagen pro Woche. Nicht wirklich hilfreich, auch wenn dies kurzfristig sinnvoll erscheinen kann.

Ein neues Rollenverständis

Als freier Spezialist oder wirklicher Unternehmer sieht dies jedoch anders aus: ein freier Spezialist ist eher wie ein Maler zu sehen, der nicht die Dauer des „Bild-Malens“ verkauft, sondern den Wert, den er mit Wissen, Technik, Erfahrung und auch seinem Ruf kreiert und der deutlich höher ist als der Gegenwert für die Zeit des Malens.

Ein „wirklicher“ Unternehmer arbeitet AM Unternehmen und seine Mitarbeiter IM Unternehmen. Der Unternehmer wird daher viel FREI-verfügbare Zeit benötigen, um seine Gedanken zu ordnen, seine Strategie zu überprüfen, Märkte und Trends zu beobachten. Die Aufgabe des Unternehmers liegt darin, das Unternehmen so aufzustellen, das er die richtigen Aufgaben so delegieren kann, dass er ausreichend FREI-bestimmte Zeit hat.

Der freie Spezialist wird viel lesen, sich bilden, neue Fähigkeiten ansammeln, die einen Wert darstellen und so als Beschleuniger für seine Kunden agieren. Der Wert seiner Arbeit steht in Relation zu seinem Hebel für den Kunden und nicht in der Zeit, die er aufwendet. Für ihn liegt die Aufgabe darin, sich so weiterzuentwickeln, dass er weniger Aufträge annimmt, in der er Zeit gegen Geld tauscht. Stattdessen bearbeitet, er anspruchsvollere Themen, die einen höheren Wert darstellen. Dadurch tauscht er in der Umrechnung weniger Zeit gehen Geld (i.d. R. heißt dies: höhere Tagessätze erzielen).

Die freie Zeit wird wieder in die eigene Weiterentwicklung oder zu einem Teil in den Aufbau von „passiven“ Einkommen investiert. Dadurch wächst die selbstbestimmte Zeit weiter an.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nur 4 Dinge gibt, um die man sich IMMER selbst kümmern muss:

  1. Die eigene Weiterentwicklung
  2. Die Beziehungsarbeit in einer Partnerschaft
  3. Die Erziehung der Kinder
  4. Den finanziellen Vermögensaufbau (als Werkzeug für Freiheit, neue Dinge anzugehen)

….und dass Mentoren und Coaches den eigenen Weg deutlich beschleunigen.
Genau dieser Weg wird in dem Buch „Die 4 Stunden Woche“ für Freiberufler beschrieben.

Was können Sie ganz persönlich für mehr selbstbestimmte Zeit tun?

Beginnen Sie mit Ihrem eigenen Mind-Set:
Wollen Sie beschäftigt sein? Oder wollen Sie Ziele erreichen? Akzeptieren Sie eine Zeitlang nötige Doppelrollen. Bereits das Bewusstmachen hilft beim Start in die Veränderung.

Eine Gefühl für die Dauer der Veränderung geben Ihnen diese Zahlen: In einer konkreten Begleitung eines Geschäftsführers haben „wir“ in diesem Jahr die selbstbestimmte Zeit von 10% auf 25% erhöht, im nächsten Jahr sollen es 40% werden, trotz starken Umsatzwachstums.

„Die meisten Menschen überschätzen, was sie kurzfristig leisten können und unterschätzen, was sie langfristig leisten können.“

Eine Veränderung hin zu „4-Stunden-Woche“ wird meist nur über einige Jahre erreichbar sein. Es sind es die kleinen Schritte, die den Weg ausmachen.

Bei mir waren es die ersten nebenberuflichen Seminare Ende der 1990, für die ich mir sogar Urlaubstage nahm. Und dann das erste passive Einkommen, durch den Verkauf von Fotos und Reiseberichten aus exotischen Gegenden an Verlage. Aber auch Dividenden aus Aktien oder Erträge aus Solaranlagen, Mieteinahmen sind passive Einnahmen. Es gibt bekanntlich unzählige Wege nach Rom.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf Ihrem ganz persönlichen Weg zu mehr selbstbestimmter Zeit.

Und noch etwas: Es gibt leider keine Patentlösung für Ihren Weg. Jeder Mensch steckt oft in mehreren Rollen, die andere Zeit-Mind-Sets und Umsetzungswerkzeuge benötigten!
Machen Sie sich also auf – es lohnt sich! Ich freue mich von Ihnen zu hören, wenn Sie den Austausch zu Ihrer Strategie suchen möchten. Und Frau Dr. Kaiser hat gewiss auch noch ein paar Tipps zur operativen Umsetzung für Sie.

Kurt Klöser
ist Berater, Coach und Trainer. Er berät mittelständische Unternehmer dabei, ihr Verhältnis von fremdbestimmter zu selbstbestimmter Arbeitszeit Richtung „4-Stunden-Woche“ zu verändern. Er versteht sich als „Erfolgsbeschleuniger“ und „Plan-B“-Coach. Außerdem unterstützt er im Projektmanagement und ist als Interimsmanager tätig.
www.xing.com/profile/Kurt_Kloeser
www.mbe-active.de/pb.php
In den vielen Stunden seiner selbstbestimmten Zeit engagiert er sich sozial Impulse für junge Menschen und bei den Querdenkern.

Buchempfehlungen von Kurt Klöser zum Thema mehr „selbstbestimmte Zeit“:

Die 4-Std-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben“ von Tim Ferris .

Für Unternehmer, die mehr „Zeitfreiheit“ wünschen, wird das Buch „Und mittags geh ich heim: Die völlig andere Art, ein Unternehmen zum Erfolg zu führen“ Und mittags geh ich heim: Die völlig andere Art, ein Unternehmen zum Erfolg zu führen
von Detlef Lohmann ein guter Leitfaden sein.
Aber ACHTUNG: Der Unternehmer und Chef von knapp 200 Mitarbeitern geht mittags nicht heim, um sich aufs Sofa zu legen, sondern er arbeitet AM Unternehmen für die Zukunft…

Der Weg zur finanziellen Freiheit: Die erste Million“ ist ein interessanter Klassiker. Bodo Schäfer beschreibt seinen konkreten Weg in die „Zeit-Freiheit“.

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8 Kommentare zu „Die 4-Stunden-Woche“ – eine Illusion?

  1. Ein immer faszinierendes Thema mit sicherlich großer Anziehungskraft für viele.
    Besonders gefallen (weil sehr ehrlich) hat mit dieser Satz: „Und noch etwas: Es gibt leider keine Patentlösung für Ihren Weg.“
    Ein rundum gelungenes, unterhaltsames und informatives Interview.
    Danke!

    • Kurt Klöser sagt:

      DANKE Ihnen, Herr Wenderoth, für diese positive Rückmeldung. Ist motivierend daran weiter zu arbeiten.
      Neben dem positiven Effekt für Unternehmer bei der guten Umsetzung, halte ich die Notwendigkeit für Angestellte, sich mit dem Thema „passiven-Einkommen“ und „Einkommenfähigkeit-erhalten-auch-im-hohen-Alter“ zu beschäftigen, bei der kommenden Rentensituation für sehr wichtig.
      Zunehmend erlebe ich ehemalige Führungskräfte im Alter 45-55, die „plötzlich“ von Konzernen abgefunden werden und dann sich diesem Thema zuwenden „dürfen“. Auch dort geht es dann mit „Mind-set“ los: „Was-und-Wer-bin ich eigentlich…. ? Wie will ich arbeiten….? Wie lange will ich dem Wirtschaftsleben zur Verfügung stehen? Vielleicht ein Thema für das nächste Jahr. Ihnen eine gute Zeit.

    • Maren Kaiser sagt:

      Herr Wenderoth,
      es freut mich, dass Ihnen der Artikel gefällt.
      Danke für Ihren Kommentar!

  2. Claudia Linz sagt:

    Besonders hat mir Ihr Vergleich mit einem Künstler genauergenommen einem Maler gefallen. Da ich selbst eine Künstlerin, die neue Wege geht, bin. Hier stimme ich Ihnen voll zu und kann Ihre Aussage nur unterstreichen bzw. untermalen! In der Tat kann bei einem Kunstwerk nicht Zeit gegen Geld getauscht werden, da in jedes Kunstwerk 20, 30, 40 Jahre Erfahrung mit einfließen. Genauso ist es auch beim ART-Coaching, die Kombination Malerei, Coaching und Erfahrung schaffen eine sehr große Hebelwirkung. Mit wenig Aufwand großes Erreichen zu können, sobald das richtige Ziel, der richtige Weg, das richtige Mindmapping für einen selbst gefunden wurde. Wie das geht? Es gibt viele Wege zum Ziel. Der Weg über die rationale Ebene, über die emotionale Ebene oder eben beide Ebenen mit den Lebensentscheidungen getroffen werden, um für sein eigenes Glück den richtigen Weg zu wählen … Alles zu seiner Zeit … nicht „entweder oder“ sondern „sowohl als auch“ Das ist glaube ich der erste Schritt für mehr FREI(bestimmte)ZEIT. Vielen Dank für Ihren Blogbeitrag Herr Klöser, er bestätigt mir, dass auch ich den richtigen Weg gewählt habe.

    • Kurt Klöser sagt:

      …. freut mich sehr, Frau Linz, dass diese Gedanken, bei Ihnen Verstärkung auf Ihrem persönlichen Weg erzeugt haben. Sie haben recht, „sowohl- als auch“ ist ein gangbarer Weg. Ich nutze diese Methode bei Veränderungen als „Standbein-Spielbein“-Variante. Mit dem Standbein sind sie noch in der „alten Welt“ (z.B. Tagessätze anbietend), während das Spielbein „neue Dinge“ testet. Geduldig kann das Spielbein dann auf „Kairos“ warten (den Gott des rechten Zeitpunkts der alten Griechen) um das Spielbein dann zum neuen Standbein zu machen. „Kairos“ ist für mich ein wichtiger „Begleiter“ geworden, wenn es um Veränderungszeitpunkte geht, denn – um wieder zum Maler zurück zukommen: Der Kunstmarkt wird auch ein gutes Stück Anteil daran haben, ob der Maler seine Erfahrung „einpreisen“ kann. Wenn nicht: …dann sollte er die Bilder eher einlagern und sich mit seiner freien Zeit anderen „nichtdelegierbaren“ Themen (siehe 1-4) zuwenden….. Wünsche Ihnen den Mut und die Stärke Ihren Weg weiter konsequent zu gehen… auch wenn er manchmal einsam (er-)scheint….

  3. Maren Kaiser sagt:

    Frau Linz und Herr Klöser,
    die „Sowohl-als-auch“- bzw. „Standbein-Spielbein“-Varianten haben den großen Vorteil, das sie mit weniger Risiko verbunden sind und wir in das Neue reinschnuppern und Appetit auf mehr bekommen können, ohne alle Brücken hinter uns abzureißen.

  4. Claudia Linz sagt:

    Frau Kaiser und Herr Klöser,

    „Sowohl-als-auch“- bzw. „Standbein-Spielbein“ hält uns auch geistig fit, schützt uns vor zu tief eingefahrenen Wegen aus den es schwer ist, wieder heraus zu kommen. Schützt vor Hamsterrädern und dem berühmten Tunnelblick. Aus der Sicht der Philosophie gibt es immer Tag und Nacht, nur Tag geht nicht und nur Nacht würde auch nicht gehen. Sogar in der Polargegend ist dies so… auch wenn der Wechsel um einiges länger ist…

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