Zeitmanagement für den Urlaub – wieso das?

Als Selbstständiger den Urlaub so verbringen...

Als Selbstständiger den Urlaub so verbringen…

Im Urlaub die Mailbox abhören, E-Mails checken und womöglich beantworten, an Telefonkonferenzen teilnehmen, für Bestandskunden und vor allem potentielle Neukunden schnell ein Angebot schicken – so sieht oft der Urlaub von Selbstständigen und mittlerweile auch sehr häufig von Angestellten aus.

Da bleibt bei den meisten Menschen die dringend benötigte Erholung auf der Strecke, denn sie können selbst im Urlaub nicht abschalten. Für manch einen sieht so der Start in den Burnout oder in andere gesundheitliche Probleme aus…

Wie sieht ein erholsamer Urlaub aus? Wie lautet das „Geheimrezept“?

... oder lieber so?

… oder lieber so?

Für mich ist es sehr wichtig, im Urlaub woanders zu sein. Zu Hause ist die Arbeit „zu dicht dran“, da ich im Home-Office arbeite. An anderen Orten schalte ich sehr schnell komplett ab. Das ist für mich der allerwichtigste Schritt zur Erholung.

Menschen entspannen sich bei sehr unterschiedlichen Aktivitäten. Die einen bauchen nur die Liege am Pool, andere brauchen sportliche Aktivitäten bis hin zum Adrenalin-Kick, erholen sich am besten beim Sandburgen bauen mit Ihren Kindern oder beim Sight-Seeing-Trubel in einer Stadt.

 

Wie ist das bei Ihnen? Wie und wo können Sie am besten abschalten?

Beim Urlaub mit Partnern oder Familie können diese unterschiedlichen Arten abzuschalten und sich zu entspannen, sehr herausfordernd sein. Das individuelle Bedürfnis der Einzelnen kollidiert mit dem Wunsch, gemeinsam Zeit zu verbringen.

Hier ist Toleranz und Kreativität gefordert.

Oft ist zu Anfang eines Urlaubs wichtig, dass jeder seinen ganz eigenen Bedürfnissen folgen kann, um abzuschalten und runter zu kommen. Ist der erste Erholungseffekt eingetreten, ist man auch in der Lage, Kompromisse einzugehen, ohne dass es zu Lasten des eigenen Erholungseffektes geht.

Was ist für Sie die optimale Urlaubsdauer und –frequenz?

Mehrere kurze Urlaube sind sinnvoll, um einer größeren Erschöpfung vorzubeugen. Andererseits ist das Erholen und Abschalten nachhaltiger, wenn der Urlaub länger dauert.

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass nach mehreren Jahren mit Urlauben von maximal zwei Wochen Dauer der Erholungseffekt immer kürzer angehalten hat. Meine Konsequenz: alle zwei bis drei Jahre einen dreiwöchigen Urlaub und mindestens ein-, besser zweimal im Jahr zwei Wochen Urlaub zu machen.

Was hat das nun mit Zeitmanagement zu tun?

Als Selbstständiger muss ich zwei- und dreiwöchige Urlaubsphasen rechtzeitig einplanen. Zu Beginn meiner Selbstständigkeit habe ich mir oft – froh über jeden Auftrag – das Jahr so mit Terminen zerstückelt, dass kein längerer Urlaub mehr möglich war oder ich schon im Urlaub für den nächsten Auftrag gearbeitet habe.

Wenn ich rechtzeitig plane und das meinen Bestandskunden mitteile, können auch diese sich mit Ihrer Planung auf meine Abwesenheit einstellen.

Auch ein potentieller Neukunde bringt normalerweise Verständnis dafür auf, dass Sie Urlaub machen und er z.B. noch zwei Wochen auf sein Angebot warten muss.

Tut er das nicht, könnte es sich um einen anstrengenden Auftraggeber handeln, der Sie ausschließlich als den rund um die Uhr verfügbaren Dienstleister sieht und nicht als Menschen. Fragen Sie sich, ob Sie für diesen Auftraggeber wirklich arbeiten wollen. Und fragen Sie sich, ob Ihre Erholung und Gesundheit oder der potentielle Auftrag wichtiger sind.

Was machen mit E-Mail, Anrufbeantworter und Mobil-Telefon während des Urlaubs?

Für den Anrufbeantworter ist die Lösung am einfachsten:
Eine freundliche Ansage informiert, dass Sie im Urlaub sind. Für ganz Dringendes geben Sie Ihre Mobil-Telefon-Nummer an.

Für Ihr E-Mail-Konto richten Sie eine Abwesenheitsnotiz ein, evtl. mit dem Hinweis, dass Sie in ganz dringenden Fällen per Mobil-Telefon erreichbar sind. Alternativ dazu könnte eine Bürokraft oder ein Bürodienstleister für Sie die Mails, z.B. zweimal pro Woche checken und ggf. aktiv werden, notfalls Sie einbinden.

Meine Erfahrung mit Abwesenheitsmeldungen: sie erhöhen deutlich das Spamaufkommen, da auf diese Weise von Adresshändlern E-Mail-Adressen verifiziert und dann verkauft werden. Daher gibt es bei mir keine automatische Abwesenheitsmeldung. Ich informiere alle Kunden, bei denen es aktuelle Prozesse gibt, im letzten Telefongespräch vor dem Urlaub persönlich. Alle Netzwerkpartner erhalten eine ganz normale E-Mail mit meiner Abwesenheitszeit.

Bei Mails von potentiellen Neukunden hat es bisher immer gereicht, mich nach dem Urlaub zu melden. Früher war ich bei Neukunden auch immer ganz schnell, notfalls zu Lasten meines Urlaubs. Und dann war es immer so, dass alles doch nicht so eilig war, es plötzlich andere Prioritäten gab, etc. Bisher habe ich nur einmal drei fakturierbare Tage an einen Kollegen „verloren“. Das war eine bewusste Entscheidung für meinem Jahresurlaub.

Wer sich wundert, dass ich auf seine Mail nicht antworte und es eilig hat, ruft mich an und wird so per Ansage auf dem Festnetz freundlich über meine Abwesenheit informiert. In der Ansage gibt es den Hinweis, dass ich in dringenden Fällen per Mobil-Telefon erreichbar bin. Es ist die große Ausnahme, dass dann tatsächlich jemand auf dem Mobil-Telefon anruft.

Und was machen Sie nun mit dem Mobil-Telefon?

Die beste Option:
Es bleibt ausgeschaltet und Sie checken nur einmal am Tag, ob Anrufe auf der Mobilbox sind. Das garantiert den größten Erholungseffekt, da Sie auch von Ihrem privaten Alltag abgekoppelt sind.

Das geht bei Ihnen nicht?
Gegenfrage: Gibt es bei Ihnen Geschäftsprozesse, die keine 12 Stunden warten können? Im Urlaub operieren wir selten am offenen Herzen…

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen erholsamen Urlaub, komplett frei von Gedanken an Ihre Arbeit und beantworte Ihre Kommentare, wenn ich aus meinem Urlaub zurück bin.

Mit einem fröhlichen  „Auf zu neuen Ufern!“
Ihre
Maren Kaiser

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3 Kommentare zu Zeitmanagement für den Urlaub – wieso das?

  1. Zugegeben, mir ist es nicht unbedingt leicht gefallen, die Tipps in diesem Artikel zu befolgen. Ich habe es dann trotzdem getan. Und dies für 11 Tage oder anders ausgedrückt: Meinen kompletten Urlaub.

    Und siehe da, es funktioniert – ohne wenn und aber. Mit etwas Mut und ca. 1 Stunde Zeitaufwand pro Tag. Sicherlich, die empfohlene Vorgehensweise muss schon zum eigenen „Geschäft“ passen und lässt sich nicht für jeden pauschal mit Erfolg umsetzen aber ansonsten … 🙂

    Ich kann sagen: Praxistest bestanden Frau Dr. Kaiser! Vielen Dank!

    • Maren Kaiser sagt:

      Liebe Herr Wenderoth,
      es freut mich, dass es für Sie so gut funktioniert hat.
      Sie haben Recht. Man muss seine Auszeit so organisieren, das es zum eigenen Geschäft passt. Für Unternehmer und Handwerksbetriebe mit wenigen Angestellten kann das schwierig sein, weil es keinen geeigneten Stellvertreter der Chefin oder des Chefs gibt. Man findet aber inzwischen Menschen, die sich auf Chef-Vertretung im Urlaub oder bei Krankheit spezialisiert haben. So eine regelmäßige Urlaubsvertretung durch die gleiche Person wäre ideal.

  2. Karina sagt:

    Liebe Frau Kaiser,

    ich finde Ihren Beitrag toll. Das nenne ich einmal echte Burnout-Prävention. Ich bin selbst Freiberufler und gönne mir nächstes Jahr 3 – 4 Wochen eine Thailand-Rundreise. Ich werde es genau so machen wie Sie es beschrieben haben.

    Ihnen ein erholsames Wochenende – Karina Treutlein

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