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Viele Selbstständige planen ihren Arbeitstag nach Uhrzeiten, Fristen und Kundenterminen. Dabei bleibt häufig unberücksichtigt, wann der eigene Kopf besonders klar ist und wann selbst einfache Aufgaben ungewöhnlich viel Kraft kosten. Ein voller Kalender sagt wenig darüber aus, wie leistungsfähig Sie sich in den einzelnen Zeitfenstern tatsächlich fühlen. Freie Zeiten Sinnvoll Nutzen Zwischen Aufträgen Produktiv Bleiben.
Ein Energie-Tagebuch macht diese persönlichen Rhythmen sichtbar. Über einige Tage hinweg halten Sie fest, wie wach, konzentriert und motiviert Sie sind, welche Aufgaben Sie bearbeiten und welche äußeren Faktoren Ihre Verfassung beeinflussen. So entsteht ein realistisches Bild Ihres Arbeitsalltags statt einer Planung nach allgemeinen Produktivitätsregeln.
Gerade Unternehmer, Freiberufler und andere Selbstständige profitieren davon. Sie müssen oft zwischen Kundenprojekten, Akquise, Verwaltung und privaten Verpflichtungen wechseln. Wer seine Leistungshochs kennt, kann anspruchsvolle Tätigkeiten gezielter platzieren und Erholungszeiten einplanen, bevor die Konzentration deutlich nachlässt.
Das Ziel besteht nicht darin, jede Minute zu kontrollieren. Es geht um eine bessere Selbstwahrnehmung und eine Arbeitsorganisation, die zu Ihrem persönlichen Energieverlauf passt. Die folgende Übersicht zeigt, wie verschiedene Beobachtungsformen dabei helfen können.
| Methode | Beobachtungszeitraum | Besonders geeignet für | Typischer Nutzen |
|---|---|---|---|
| Energie-Tagebuch | 7–14 Tage | Konzentration und Tagesrhythmus | Leistungshochs erkennen |
| Aufgabenprotokoll | 3–7 Tage | Zeitfresser und Unterbrechungen | Arbeitsabläufe verbessern |
| Wochenrückblick | Wöchentlich | Ziele und Prioritäten | Planung anpassen |
| Stimmungsskala | Täglich | Motivation und Belastung | Stressmuster wahrnehmen |
Ein Energie-Tagebuch verbindet subjektives Empfinden mit konkreten Tätigkeiten. Sie notieren beispielsweise morgens eine Energie von sieben auf einer Skala von eins bis zehn, arbeiten zwischen neun und elf Uhr konzentriert an einem Konzept und fühlen sich danach deutlich erschöpfter. Am Nachmittag steigt die Energie vielleicht wieder, sobald Sie Gespräche führen oder organisatorische Aufgaben erledigen.
Nach mehreren Tagen erkennen Sie wiederkehrende Muster. Vielleicht sind Sie früh am produktivsten, brauchen nach dem Mittagessen eine ruhigere Phase oder entwickeln am späten Nachmittag neue Ideen. Auch scheinbar kleine Einflüsse wie Schlaf, Bewegung, Mahlzeiten, Nachrichten oder ungeplante Anrufe können in den Aufzeichnungen auffallen.
Wichtig ist, zwischen Energie und Stimmung zu unterscheiden. Sie können wenig motiviert sein, aber dennoch konzentriert arbeiten. Umgekehrt kann gute Laune vorhanden sein, während die Aufmerksamkeit ständig abbricht. Beide Werte liefern unterschiedliche Hinweise für Ihre Tagesplanung.
Eine einzelne Notiz beschreibt nur eine Momentaufnahme. Für brauchbare Erkenntnisse sollten Sie Ihr Energielevel mindestens sieben Tage lang festhalten. Zwei Wochen sind oft noch aussagekräftiger, weil dann unterschiedliche Wochentage, Kundentermine und Arbeitsbelastungen vorkommen.
Die Aufzeichnungen müssen nicht ausführlich sein. Zwei bis drei Minuten pro Eintrag reichen meistens aus. Tragen Sie zu festen Zeitpunkten Ihre Energie, die aktuelle Aufgabe und besondere Einflussfaktoren ein. Praktisch sind der Start in den Arbeitstag, die Mittagszeit und der späte Nachmittag.
Verzichten Sie auf den Anspruch, jede Schwankung vollständig zu erklären. Ein Tagebuch ist ein Beobachtungsinstrument und keine Prüfung. Wenn ein Eintrag fehlt, setzen Sie die Aufzeichnung einfach beim nächsten passenden Zeitpunkt fort.
Eine einfache Skala von eins bis zehn genügt, wenn Sie sie konsequent verwenden. Ergänzen Sie dazu ein kurzes Stichwort für die Art der Tätigkeit: konzentriertes Arbeiten, Kundengespräch, E-Mail-Bearbeitung, Akquise, kreative Entwicklung oder Routineaufgabe. So können Sie später erkennen, welche Aufgaben zu welchem Energiezustand passen.
Auch körperliche und äußere Faktoren verdienen Aufmerksamkeit. Schlafdauer, Bewegung, Pausen, Ernährung, Lärm und digitale Unterbrechungen beeinflussen Ihre Leistungsfähigkeit. Notieren Sie jedoch nur Informationen, die für Ihre Auswertung relevant sind. Zu viele Kategorien machen die Dokumentation unnötig aufwendig.
Hilfreich ist außerdem die Frage, ob Sie nach einer Aufgabe mehr oder weniger Energie haben als vorher. Ein Gespräch kann anstrengend sein und trotzdem neue Motivation geben. Eine scheinbar kurze Verwaltungsaufgabe kann dagegen lange nachwirken, wenn sie mit Unklarheit oder Aufschieben verbunden ist.
Am Ende der Beobachtungsphase betrachten Sie Ihre Einträge nicht isoliert, sondern suchen nach Wiederholungen. Zu welchen Uhrzeiten gelingt Ihnen anspruchsvolles Denken besonders leicht? Wann häufen sich Flüchtigkeitsfehler? Welche Tätigkeiten schieben Sie regelmäßig auf, obwohl Sie zu dieser Zeit eigentlich genügend Zeit haben?
Markieren Sie Ihre stärksten und schwächsten Zeitfenster. Ein Leistungshoch muss nicht jeden Tag zur gleichen Uhrzeit auftreten. Dennoch lassen sich oft Bereiche erkennen, etwa ein konzentrierter Vormittag oder eine kreative Phase am frühen Abend. Planen Sie zunächst nur ein bis zwei wichtige Aufgaben in diese Zeitfenster und prüfen Sie, ob sich die Beobachtung im Alltag bestätigt.
Leere Kalenderzeiten sollten ebenfalls in die Auswertung einfließen. Zwischen zwei Aufträgen können Sie je nach Energielevel vorbereitende, kreative oder administrative Tätigkeiten einplanen. Anregungen dazu finden Sie im Beitrag freie Zeiten produktiv nutzen, besonders wenn Ihre Arbeit stark von wechselnden Projekten abhängt.
Anspruchsvolle Aufgaben gehören in Ihre persönlichen Hochphasen. Dazu zählen strategische Entscheidungen, Konzeptarbeit, Schreiben, Problemlösung oder die Entwicklung neuer Angebote. Schützen Sie diese Zeit vor unnötigen Benachrichtigungen und verschieben Sie Routinekommunikation möglichst in weniger konzentrierte Abschnitte.
Niedrigere Energie bedeutet nicht automatisch, dass Sie gar nichts leisten können. In solchen Phasen eignen sich Tätigkeiten mit klaren Abläufen, zum Beispiel Rechnungen prüfen, Dateien ordnen, Termine koordinieren oder Standardnachrichten beantworten. Dadurch vermeiden Sie, wertvolle Hochphasen mit Aufgaben zu verbrauchen, die wenig geistige Tiefe erfordern.
Planen Sie außerdem Übergänge ein. Nach einem intensiven Kundentermin brauchen Sie möglicherweise zehn Minuten Ruhe, bevor Sie wieder produktiv arbeiten. Ein realistischer Kalender berücksichtigt diese Erholungszeit und verhindert, dass aus einer kleinen Verzögerung eine Kette von Stress und Überstunden entsteht.
Ein Energie-Tagebuch funktioniert am besten, wenn die Aufzeichnung einfach, ehrlich und regelmäßig bleibt. Die folgenden Regeln helfen Ihnen, aus den Notizen konkrete Entscheidungen abzuleiten:
Besonders wichtig ist ein sachlicher Blick auf schwache Phasen. Ein Energietief kann ein Hinweis auf fehlende Pausen, zu viele Termine oder eine unpassende Aufgabenart sein. Es ist kein Beweis für mangelnde Disziplin. Diese Haltung erleichtert es, die Arbeitsorganisation gezielt zu verändern, statt sich selbst zusätzlichen Druck zu machen.
Die Auswertung wird erst dann wirksam, wenn sie in konkrete Gewohnheiten übergeht. Reservieren Sie beispielsweise an drei Vormittagen jeweils ein geschütztes Zeitfenster für Projektarbeit. Legen Sie Kommunikationszeiten fest, bündeln Sie ähnliche Aufgaben und definieren Sie eine minimale Tagespriorität, die auch bei niedriger Energie erreichbar bleibt.
Für Selbstständige kann es sinnvoll sein, das Energie-Tagebuch mit einer Wochenplanung zu verbinden. Prüfen Sie am Freitag oder Montag, welche anspruchsvollen Aufgaben anstehen und wann Ihre voraussichtlich besten Zeitfenster liegen. Berücksichtigen Sie dabei Kundentermine, private Verpflichtungen und notwendige Erholung gleichermaßen.
Auch nach der ersten Auswertung bleibt das Tagebuch nützlich. Sie können es vor besonders intensiven Projektphasen, bei veränderten Arbeitszeiten oder nach einer längeren Erschöpfungsperiode erneut einsetzen. Ihre Leistungsfähigkeit ist kein unveränderlicher Wert, sondern reagiert auf Schlaf, Belastung, Bewegung, Arbeitsumgebung und Prioritäten.
Beginnen Sie mit einer einfachen Vorlage und drei täglichen Einträgen. Schon nach kurzer Zeit erhalten Sie Hinweise darauf, wann Sie am klarsten denken, welche Aufgaben Sie unnötig Energie kosten und wo Ihre Planung bisher gegen Ihren natürlichen Rhythmus arbeitet. Wenn Sie diese Erkenntnisse systematisch in Ihre Arbeitsorganisation übertragen möchten, kann ein persönliches Zeitmanagement-Coaching dabei helfen, aus den Beobachtungen einen tragfähigen Arbeitsalltag zu entwickeln.
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© 2017 Maren Kaiser